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Kursdetails

202-2106 Lutz Seiler, Stern 111 Literaturkurs - Gewinner des Leipziger Buchpreises 2020

Beginn Mi., 28.10.2020, 10:00 - 11:30 Uhr
Kursgebühr 50,00 € (erm. 33,00 €)
Dauer 5 Termine
Kursleitung Gunda Mayer

Krisenzeiten sind Stillstandzeiten, voller Verunsicherung, Warten und Suchen nach Orientierung; von solcher Zeit und Situation spricht „Stern 111“, allerdings nicht mit Blick auf Corona, auch wenn dieser Roman ausgerechnet in Corona–Zeiten den Leipziger Buchpreis erhielt.
Er beginnt mit einem Paukenschlag, der die Welt veränderte: mit dem Mauerfall und der Reaktion in einer ostdeutschen Familie, nämlich einer unerhörten Umkehrung gewohnter Verhaltensmuster: Die Eltern Walter und Inge Bischoff, er Automechaniker mit Leidenschaft, sie tüchtige Bäckereikraft, verlassen 2 Tage nach dem Mauerfall ihr Kind, um in die weite Welt - den Westen - zu ziehen. Ihr Ziel nennen sie nicht. Haben sie eins? Das „Kind“: Carl, 26 Jahre jung, gelernter Maurer, DDR-typisch zugleich Student, aber nur noch pro forma, d.h. faktisch auf die elterliche Unterstützung angewiesen. Er soll nun Auto und Wohnung in Gera übernehmen, die Nachhut bilden - eine hoffnungslose Überforderung für den in seinen Traum vom Dichter-Sein versponnenen Carl, der über Monate seine Gedichte feilt und immer wieder verwirft. Voraussehbar verlässt er Gera, wo er nun keine Heimat mehr hat, und landet mit dem Wagen, der ihm zunächst als Heim dient, in Ost-Berlin - mitten im Zentrum des ausbrechenden Chaos, im Moment anarchischer Freiheit zwischen dem verschwundenen System der Diktatur und vor dem Durchsetzen der neuen Ordnung. Bis in die kleinsten Verästelungen des Alltags, der Dinge, der menschlichen Beziehungen und des Denkens hinein reicht die Auflösung des Gewohnten. Carl wie seine Eltern bewegen sich darin als Suchende - die Eltern im Westen, zielgerichtet, einigermaßen erfolgreich, wie Briefe bezeugen. Carl wird vom “guten Rudel“ aufgelesen, Individualisten, die verlassene heruntergekommene Häuser in Ostberlin besetzen, zusammengehalten von einem charismatischen „Hirten“- und von der Suche nach einem Leben in unbedingter Freiheit, gegen Überwachung und gegen den westlichen Konsumismus. Sammlungsort dieser Revoluzzer, Utopisten, DDR-Nostalgiker, Schieber, Nutten, Künstler, übriggebliebenen russischen Soldaten ist die Assel, ein feuchtes Kellerloch, dessen Ausbau zur Kneipe Carl mit seinen Maurerkenntnissen maßgeblich vorantreibt und dabei Anerkennung und einen Anflug von Heimat gewinnt. Doch Ungesichertheit - und damit Spannung für den Lesenden - bleibt an der Tagesordnung, im Auf und Ab von Carls leidenschaftlicher Beziehung zu der undurchschaubaren Effi, im Rätsel um das Lebensgeheimnis seiner Eltern ebenso wie in Carls unendlichem Bemühen um das perfekte Gedicht… Das ist mehr als ein Wende-Roman, ein z. T. anarchisches Lese-Abenteuer bis hinein in Sprachform und Struktur.
Textgrundlage: Lutz Seiler, Stern 111, Suhrkamp-Verlag 2020, 525 S.




Kursort

Kath. Pfarrzentrum St. Peter und Paul

Ostpreußenstraße
37671 Höxter

Termine

Datum
28.10.2020
Uhrzeit
10:00 - 11:30 Uhr
Ort
Ostpreußenstraße, Höxter, Kath. Pfarrzentrum St. Peter und Paul
Datum
04.11.2020
Uhrzeit
10:00 - 11:30 Uhr
Ort
Ostpreußenstraße, Höxter, Kath. Pfarrzentrum St. Peter und Paul
Datum
11.11.2020
Uhrzeit
10:00 - 11:30 Uhr
Ort
Ostpreußenstraße, Höxter, Kath. Pfarrzentrum St. Peter und Paul
Datum
18.11.2020
Uhrzeit
10:00 - 11:30 Uhr
Ort
Ostpreußenstraße, Höxter, Kath. Pfarrzentrum St. Peter und Paul
Datum
25.11.2020
Uhrzeit
10:00 - 11:30 Uhr
Ort
Ostpreußenstraße, Höxter, Kath. Pfarrzentrum St. Peter und Paul